Gesucht, gefunden: Autos für drei Kindersitze im Fond.
Wenn das dritte Kind kommt, freut man sich natürlich als Vater. Gleichzeitig muss man sein lieb gewonnenes Auto aufgeben und durch eine Familienkutsche ersetzen! Ich z.B. einen BMW 530 Diesel mit netten 510Nm und 230 PS. *sniff. Wenn man sich länger damit befasst, ist es aber halb so schlimm: Die Dinger machen Dreck, so richtig ausfahren kann man sie eh nie und sie fressen Geld. Überlast also die Entscheidung primär eurer Frau und fahrt besser Bahn und Bus – da hat man Zeit zum Bloggen, Twittern und Mails lesen ;-)
Jedenfalls ist es erstaunlich, wie wenig Automobilhersteller auf Familien mit drei Kindern eingestellt sind. Insbesondere, da nun auch endlich in der Schweiz Kindersitze bis zum Alter von 12 Jahren Pflicht sind. Die ganzen Prachtskarossen haben meist sportlich-schnittige Sitze, dicke Türen mit Seitenairbags und wohlgeformte Aussenlinien, was leider auf Kosten der inneren Breite geht… Aus diesem Grund und weil die heutigen Kindersitze etwas breiter – da sicherer – ausfallen, bleibt einer 5-köpfigen Familie nur wenig Auswahl.
Mit Hannah (6.5 Jahre), Samuel (5) und Baby haben wir uns nun auf die Suche nach einem passenden Auto gemacht. Der letzte Bericht einer Automobilzeitschrift über dieses Thema ist von 2007.
Unsere Anforderungen:
- Im Fond müssen drei Kindersitze Platz haben
- Reine Sitzerhöhungen sind uns aufgrund des mangelenden Seitenaufprallschutzes zu unsicher.
- Die Kinder müssen sich selbstständig angurten können, ohne sich die Hände einzuklemmen.
- Isofix: Mindestens zwei.
Nice
- Weitere Sitzmöglichkeiten, damit man noch die Schwiegereltern oder ein, zwei befreundete Kinder mitnehmen kann.
- Sitze einzeln verstellbar, damit der Kleinste in Reichweite der Eltern ist.
Diese Modelle müsst ihr erst gar nicht ausprobieren
- BMW 5er oder X5
- Audi Q7
- VW Touran, Touareg
- Peugeot 407SW
- Mercedes E-Klasse, ML und GL, R-Klasse (hier helfen noch nicht mal die teuren, speziell schmalen Kindersitze von Mercedes)
- Renault Grand Scenic
- Volvo V70, XC90
- Range Rover (und wer will schon so eine Spritschleuder)
- Porsche Cayenne
Unser Ranking. Mit diesen Modellen klappt’s:
- VW Multivan: Platz, Platz, Platz. Einfach und flexibel verstellbare Sitze – bis zu 8! Sehr liebevoll gestaltetes Interieur. Bis jetzt waren die Motorengeräusche des VWs recht laut, der Bus war eher etwas lasch zum Fahren und recht träge in den Kurven. Im Vergleich sogar etwas teuer als der Mercedes Viano. Da nun aber der Multivan überarbeitet wurde und auch Motoren der neusten Generation beim Bulli Einzug gehalten haben, wird die Sache interessant. Bis zum 3-Liter-Biturbo-Dieselaggregat (das nebenbei weniger frisst als der normale Turbo), ist alles dabei, was das Autofahrerherz begehrt. Fazit: Unbedingt Probe fahren! Der VW ist ab 50′000 CHF zu haben (die spartanische “Startline” bereits ab 40′000 CHF). Fahrbericht auf Bild.de. Nebenbei: Das Webspecial von VW ist richtig gelungen: Emotional ansprechend, videobasiert, dennoch interaktiv und informativ. Eine Seltenheit in der Autoindustrie, welche die Geduld Ihrer Kunden mit nervenraubenden Intros und nichtssagenden Marketingtexten auf die Probe stellt.
- Mercedes Viano: Ebenfalls Platz, Platz, Platz. Lieblos, zweckorientiert eingerichtet (da reden leider die Nutzfahrzeugler von Mercedes zu viel mit). Spritzig zu fahren – besonders der 6-Zylinder-Diesel. Innengeräusche angenehm. Keine Xenonscheinwerfer. Das Navi: Zweckdienlich. Ab 50′000 CHF ist man dabei. Das Ganze ist nun aber auch schon in die Jahre gekommen. Ob man sich also einen (leicht veralteten) grossvolumigen Motor kaufen möchte, muss man selber entscheiden. Es ist keine wirkliche neue Modellreihe in Sicht. Gas oder Hybrid sucht man vergebens. Die Xclusiv-Reihe ist ein netter Versuch, das Auto schicker zu machen – leider sind dort nur 6 Sitze und die gleichen alten Motoren wie in den normalen Modellen erhältlich. Der Hinweis über den “kostenlosen Partikelfilter” in der Werbung wirkt so richtig peinlich!
- Renault Espace: Geräumig, bezahlbar, nett verarbeitet, viel Stauraum, Motor ok. Die aktuelle Plattform stammt von 2002. Trotz diverser Facelifts sollte Renault endlich ein neues Modell lancieren – denn hinsichtlich Ökologie hat der Franzose nicht viel zu bieten. Ein Relaunch kann aber noch dauern, da er für dieses Jahr geplant war, aber gestoppt wurde. Das Alter wird auch bei Trivialem wie einer iPod-Schnittstelle spürbar: Mit dem Navi zusammen ist sie nicht erhältlich – dafür aber ein CD-Wechsler (Wow!). Benziner ab 38′000 CHF. Der längere Grand Espace kann zusätzlich zwei Sitze im Kofferraum unterbringen. Diese können verstellt und ausgebaut, aber leider nicht im Boden versenkt werden. Ab 42′000 CHF. Ich würde aber den Diesel empfehlen. Wertverlust: Etwas zu hoch.
- Chrysler Grand Voyager: Eigentlich wirklich gut angedacht und sehr praktisch. Alle Sitze lassen sich im Boden versenken und das ganze Auto wirkt sehr variabel. Zudem fällt der Voyager durch viele Fächer und Staumöglichkeiten positiv auf. Dafür muss man sich mit einer Menge Plastik, billig wirkendem Baumdekor und einen unglaublich miserablen Motor abfinden. Mit dem grossvolumigen 2.8-Liter-Diesel kommt man kaum vom Fleck und dennoch frisst er richtig Sprit. 60-70′000 CHF, die man für das Fahrzeug aufwerfen muss, sind schlichtweg zu viel für diese veraltete Technik. Das nette Sitzkonzept versucht über die eigentlichen Probleme hinwegzutäuschen. Die Schweizer Website von Chrysler ist recht lausig und bietet fast keine Informationen. Auf der DE-Version gibt’s brauchbare Infos.
Ob VW oder Mercedes: Die Busse schauen grösser aus, als sie sind. Verglichen mit einem normalen Kombi ist der Unterschied in Länge und Breite minim. Sie wirken einfach “unhandlicher”, weil sie höher sind.
Alles zu teuer? Renault und Viano kauft man sowieso besser gebraucht. Es lohnt sich zurzeit nicht, ein Auto, dass schon recht in die Modelljahre gekommen ist, neu zu kaufen. Der Wertverlust in den nächsten Jahren wäre zu gross. Den schicken VW, mit den modernen, guten Motoren gibt’s erst ab 2010. Auf Occassionen muss man da also noch warten.
Habt ihr weitere Erfahrungen sammeln können? Inputs sind willkommen.


Wir hatten ja früher auch immer VW-Busse (fast seit ich mich erinnere) und sie sind wirklich tolle Familienautos. Jedenfalls hatten wir immer tierisch Spaß darin (statt drehbaren Sitzen war bei uns die vordere Sitzbank _immer_ umgedreht :-). Von daher ist das sicher eine super Wahl – vor allem für die Kinder.
Theresia und Dierk mit ihren drei Kindern haben einen VW Sharan und sie kommen damit auch sehr gut klar. Habt ihr euch aber auch bestimmt schon angeschaut.
Jetzt aber erst mal alles gute für die hoffentlich baldige Geburt!!!
Cooler Bericht der mich eigentlich nichts angeht. Ausser dass ich den VW Multivan in der California Variante ein wirklich gelungenes Fahrzeug finde. Und zu fahren sind die heute glaub eh recht cool.
Danke für den Hinweis, Jojo.
Ende 2010 kommt der neue Shahran raus. Eine echte Alternative – auch vom Preis – zum Multivan. Der aktuelle Shahran wurde in den letzten Jahren ja nicht mehr weiterentwickelt und ist nicht mehr auf dem neusten Stand. Dann nehme ich lieber einen Espace.
Eine kleine Lanze für den “Schweden” XC90 möchte ich noch brechen. Fahre dieses Fahrzeug von Volvo seit 2 Jahren und ich wage zu behaupten, drei Kindersitze finden problemlos Platz auf dem Rücksitz (zwei sind bei mir immer drinnen und eine erwachsene Person findet dazwischen Platz). Die Sitze lassen sich auch einzeln verstellen.
Daneben gibt es noch reichlich Platz für Gepäck oder zwei zusätzliche Sitze in der dritten Reihe – vollwertig und komplett versenkbar mit zwei Handgriffen. Ist er zum 7-Plätzer umkonfiguriert, findet immer noch gut Handgepäck Platz im Wagen. Und in Sachen Sicherheit braucht sich Volvo nie zu verstecken.
Nun aber wünsche ich Euch viel Glück bei der Geburt des 3. Kindes und halte die Daumen. Alles Gute – acuh für den bevorstehenden Jahreswechsel!
Merci, Thomas. “Ich wage zu behaupten, drei Kindersitze finden problemlos Platz auf dem Rücksitz” sagen auch die meisten Autohändler. Bis zum Zeitpunkt, wo wir mit drei Kindersitzen aufkreuzen und man diese dann versucht zu installieren. Volvo wäre eine meiner Favoriten (Marke, nicht Motoren), aber hat leider nicht geklappt.
Unsere Erfahrungen? Miserabel, bis wir auf einen Daihatsu Sirion umgestiegen sind, wo wir mit Mühe und Not drei Kindersitze unterbringen und seither fast nur noch Bus und Zug fahren. :-)
Das finde ich auch. Bus- und Zugfahren ist eh besser. Wenn möglich machen wir das auch. Zu den Eltern und Schwiegereltern ist das leider recht schwierig.
Apropos Japaner – habe doch gerade noch was entdeckt:
Test VW Multivan/Hyundai H-1/Ford Galaxy, Der neue Bulli im Vergleich
http://www.autobild.de/artikel/test-vw-multivan-hyundai-h-1-ford-galaxy_1013891.html
hier nun endlich mein auf twitter versprochene input. :-)
unsere kinder sind 7 1/2, 5 und 3 jahre alt. mit dem dritten kind waren wir in der gleichen situation wir ihr jetzt. wir haben mehrere autos angesehen und uns dann für einen zafira von opel entschieden. die zwei hauptgründe für einen van (muss ja nicht opel sein) : er ist nicht ganz so gross wie ein buss und er hat eine dritte sitzreihe.
hier noch stichwortartig ein paar inputs:
- wir wollten die kinder nicht direkt nebeneinander. so ist das konfliktpotenzial kleiner und sie haben einen gewissen freiraum. die beiden kleineren sitzen bei uns in der 2. sitzreihe, der grosse alleine in der 3. sitzreihe.
- die kleineren kinder sollten von vorne gut erreichbar sein. (essen/trinken geben, nuggi wieder reinschieben, etc. )
- kinderwagen nicht vergessen. ein kinderwagen beansprucht recht viel platz.
- weiteres gepäck und sportsachen brauchen auch platz. die eishockeytasche von unserem grossen ist riesig!
- klimaanlage. autos werden im sommer sehr heiss und fahrten mit kinder im überhitzen auto sind nicht cool….
- genug power, dass man auch mit vollbepacktem auto zügig vorwärtskommt.
Ich habe 3 Jungs im Alter von 9, 7 und 1. Beim Kauf meines Renault Mégane Kombi Jg 2003 bin ich eigentlich davon ausgegangen, ab 2010 nur noch einen Sitz zu benötigen. Falsch gedacht! Ich darf nun auch meine beiden grossen Jungs noch für mind. 3 bzw. 5 Jahre in diese Dinger zwängen. Dreimal darf man raten: kein Platz für 3 Stück auf der Rückbank. Böses Mail geschrieben an das Bundesamt für Strassen ASTRA und an TCS und bfu, ob sie mir wohl das neue Auto zahlen. Nichtssagende Antwort erhalten – wie zu erwarten war. Bin jetzt nicht mehr auf der Suche nach einem neuen Auto, sondern nach zwei Sitzerhöhungen, die nicht breiter als je 38cm sind. Daneben soll aber noch ein Kindersitz für den Kleinsten Platz haben. Tja, selber schuld, ich hätte eben nicht 3 Kinder haben sollen…
Eine geniale (und 38 cm breite) Sitzerhöhung in Kombination mit Rucksack findest Du bei http://minno.se/BoostercushionwithintegratedbackpackSitSac.htm. In der Schweiz gibt es die Dinger bei Mobility (allerdings nur für Mitglieder).
@ Toni
Danke für den Tip. Habe inzwischen zwei andere Sitzerhöhungen mit nur 38cm Breite gefunden. Die Frage ist jetzt nur noch, ob der neu anzuschaffende Kindersitz für den Kleinsten daneben Platz haben wird. Wir sind der Lösung auf der Spur…
Dani
Hi Zusammen. Danke für die Tipps.
Man war ja schon kurz davor Sitzerhöhungen zu verbieten, was nun nicht passiert ist. Aber der ADAC sagt folgendes – und die machen Ihre Arbeit wirklich sehr gewissenhaft:
“Sitzerhöhungen ohne Rückenstütze und Kopfteil sind keine sichere Lösung. Die beiden ADAC-Crashtests untermauern dies: Im Gegensatz zum Standard-Crashtest mit passendem, stützenden Kindersitz hat ein Dreijähriger auf einer Sitzerhöhung mit dem ungeeigneten Erwachsenengurt kaum Halt. (…) Beim Aufprall schneidet der Gurt in die Bauchgegend, was die inneren Organe stark gefährdet. Brust und Nacken des Kindes werden überstreckt, sein Kopf schlägt auf die Beine. ”
Ganzer Bericht: http://www1.adac.de/Tests/Crash_Tests/out_of_position/default.asp